Initiativen der KEB Bayern

Das massive Engagement der Katholischen Akademie bei der Bewusstseins-Bildung im Bereich Ökologie, nachhaltiger Ökonomie und sozialer Verantwortung setzt sich bei der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Bayern (KEB Bayern) fort. Zwei in den letzten Jahren entwickelte Projekte leisten einen wertvollen Beitrag zu den Bemühungen der Katholischen Akademie, auch über ihre eigenen Unternehmensgrenzen hinaus in den kirchlichen Kontext hineinzuwirken.

1. Sozialethische Offensive

Ein Fortbildungstag für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Katholischen Erwachsenenbildung mit Reinhard Kardinal Marx zur Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 ist Keimzelle eines ungewöhnlichen bayernweiten Bildungsprojekts: der „Sozialethischen Offensive“ der KEB Bayern. Etliche Erwachsenenbildner waren der Überzeugung, dass Christliche Sozialethik als Bildungsthema nicht nur gestärkt werden muss, sondern sogar reizvoll in die Praxis umgesetzt werden kann. Ausgestattet mit einem eigenen Budget machten sie sich also an die Arbeit. Ergebnis ist ein Konzept, das auf mehrere Jahre angelegt ist und seit etwa einem Jahr schrittweise umgesetzt wird.

Die Sozialethische Offensive ist eine Antwort auf die Tatsache, dass die Katholische Kirche gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Problemlagen mit ihrer Soziallehre höchst zeitgemäße Antworten parat hat – diese aber vernehmbarer nach außen tragen muss. Dies in der kirchlichen Bildungsarbeit umzusetzen, ist eigentliches Ziel des Projekts. Dazu gehört natürlich ganz wesentlich, diese kirchlichen Lösungskonzepte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von katholischen Bildungsveranstaltungen in Bayern (immerhin ca. 1,6 Millionen im Jahr) weiterzugeben und so vielleicht auch einen politischen Meinungsbildungsprozess mit zu gestalten.

Im Einzelnen setzt sich die „Sozialethische Offensive“ aus folgenden Elementen zusammen:

Wissenschaftlicher Projektbeirat

Für die qualitätsvolle Ausgestaltung des Projekts ist es unerlässlich, die Offensive von einem supervidierenden Projektbeirat wissenschaftlich begleiten zu lassen. Entscheidende Projektbausteine und Entwicklungen werden von diesem Beirat diskutiert und entschieden. Neben zwei KEB-Angehörigen (Vorstandsmitglied und Mitarbeiter der vorbereitenden Projektgruppe) gehören dem Beirat mit Prof. Dr. Bernhard Laux, Prof. Dr. Markus Vogt und Prof. Dr. Dr. Johannes Wallacher drei wissenschaftlich profilierte Sozialethiker an.

Arbeitsmaterialien für Erwachsenenbildner

In mühevoller Kleinarbeit wurden und werden laufend Arbeitsmaterialien zu sozialethischen Themengebieten zusammengestellt. Diese Materialien können als Basis für Bildungsveranstaltungen dienen und sind jederzeit im Internet (www.keb-bayern.de) abrufbar.

Auszeichnung von Best-Practice-Veranstaltungen

In diesem sehr wirkungsvollen Baustein werden einmal jährlich besonders gelungene Bildungsveranstaltungen zu ausgewählten sozialethischen Themenfeldern ausgezeichnet. Der wissenschaftliche Projektbeirat fungiert hier als Jury und kürt drei Preisträger, die jeweils 2.000 Euro Preisgeld erhalten. 2011 lautete das Motto „Zukunft des Sozialstaats“, für 2012 lobte der Vorstand der KEB Bayern das Thema „Globale Gerechtigkeit“ aus, für das Jahr 2013 werden Veranstaltungen zum Thema „Partizipation“ eingereicht.

Faszinierend an diesem Baustein ist, dass sich darin die ganze Bandbreite der Katholischen Erwachsenenbildungsarbeit spiegelt und das besondere Engagement auch kleinerer Bildungsinstitutionen gewürdigt werden kann. Die Kreativität aller Teilnehmer ist jedenfalls enorm!

Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Teil 1: Grundkurs Sozialethik

20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KEB Bayern besuchten im Jahr 2011 an zwei Wochenenden einen „Grundkurs Sozialethik“. In einem ersten Schritt wurde in die Theorie der Christlichen Soziallehre eingeführt, in einem zweiten Schritt wurden Strategien erarbeitet und vermittelt, um sozialethische Bildungsveranstaltungen innovativ zu konzipieren. Im Fokus stand also die Kompetenzvermittlung im planerischen Bereich. Aufgrund des positiven Zuspruchs wurde der Grundkurs Sozialethik im Jahr 2013 nochmals durchgeführt; diesmal in einer höchst spannenden Konstellation: Erstmals wurde auf Landesebene eine Fortbildung von verschiedenen  Erwachsenenbildungsträgern gemeinsam angeboten. Neben der KEB Bayern beteiligten sich auch das Bildungswerk des DGB sowie die Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung.

Teil 2: Zertifikatskurs Sozialethik

Anliegen der KEB Bayern ist es, auch an potentielle Referentinnen und Referenten heranzutreten, und sie für die inhaltliche Durchführung von Bildungsveranstaltungen im Sinne einer wissenschaftlichen Weiterbildung zu qualifizieren. Dabei beschreiten zwei Institutionen neue Wege: Die KEB Bayern und die Hochschule für Philosophie München haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen, im Rahmen derer ein Zertifikatskurs auf dem wissenschaftlichen Niveau eines Masterstudiengangs entwickelt wurde. Der zweisemestrige Zertifikatskurs – bestehend aus insgesamt sechs Wochenendeinheiten – ist Teil eines kostenpflichtigen, weiterbildenden Masterprogramms der Hochschule für Philosophie und wird für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bayern zu Sonderkonditionen angeboten. Mit insgesamt 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist der Kurs im November 2012 erfolgreich gestartet.

2. Klimaschutz braucht Bildung

Zur Tatsache, dass Klimaschutz nicht nur aus mehr Energieeffizienz, Gebäudedämmung und CO2-Reduktion besteht, leistet das ebenfalls bayernweite Projekt „Klimaschutz braucht Bildung“, welches aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit im Rahmen der Bayerischen Klimaallianz gefördert wird, einen wertvollen Beitrag.

Ziel

Ziel dieses bis 2014 angelegten Projekts ist es, Problembewusstsein für die Herausforderungen des Klimaschutzes zu schaffen – und zwar auf ganz konkreter Ebene: Seit Jahren engagieren sich zahlreiche Menschen in der Kirche, um das Umweltbewusstsein haupt- und ehrenamtlicher Akteure zu verbessern. Probates Mittel hierfür ist es, kirchliche Einrichtungen – Pfarreien wie kirchliche Organisationen – dafür zu gewinnen, das Umweltmanagementsystem EMAS einzuführen, das die Katholische Akademie seit 2005 führen darf. Hierzu bedarf es geschulten Personals, das solche Prozesse in den Einrichtungen initiiert und begleitet. Das Projekt „Klimaschutz braucht Bildung“ möchte daher belastbare Strukturen für die Akquise und Ausbildung von Umweltauditoren aufbauen und insbesondere Ausbildungspersonal schulen, um eine flächendeckende Einführung des kirchlichen Umweltmanagements in Bayern voranzutreiben.

Zielgruppen

Folgende Zielgruppen werden mit diesem Projekt angesprochen:

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pfarrgemeinden, Verbänden und Bildungswerken, die kleinere kirchliche Einrichtungen auf dem Weg zur Validierung begleiten. Schwerpunkt dieser Zielgruppe sind ehrenamtliche Mitarbeitende.
  • Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Verbänden, kirchlichen Stiftungen und Orden (z.B. Caritas, Katholische Jugendfürsorge, weitere sozial-caritative kirchliche Institutionen), die Umweltmanagement in den jeweiligen Einrichtungen implementieren möchten.
Kooperationspartner

In diesem bayernweit einzigartigen Projekt arbeiten verschiedene kirchliche Stellen und Ebenen eng miteinander zusammen. Basis ist die Kooperation zwischen der KEB Bayern und den Umweltbeauftragten der Bayerischen (Erz-)Diözesen, wobei die KEB Bayern die Projektträgerschaft übernommen hat. Die KEB Bayern bringt ihre über die einzelnen Bildungsbeauftragten in den Pfarrgemeinderäten bis in die Pfarrgemeinden hinein reichende Struktur sowie ihr pädagogisch-didaktisches Know-How in das Projekt ein. Die Bayerischen Umweltbeauftragten zeichnen, auch aufgrund ihrer bisher gewonnenen Erfahrungen bei der Durchführung von Ausbildungskursen für kirchliche Umweltauditoren, für die inhaltliche Professionalität des Projekts verantwortlich. Für die bayernweite und zugleich regionale Verankerung des Projekts konnten sechs der sieben bayerischen Diözesen gewonnen werden. Die jeweils auf Diözesanebene zuständigen KEBs führen die Kurse zur Ausbildung von Umweltauditoren in engster Abstimmung und Zusammenarbeit mit den diözesanen Umweltbeauftragten durch.

Je nach Region und Kooperationsmöglichkeiten wurden Kurskonzepte entwickelt, die verschiedene Zielgruppen (Ehrenamtliche in Gemeinden, Hauptamtliche) in den Blick nehmen. Im November 2012 konnten die ersten Ausbildungskurse gestartet werden. Einige Teilnehmer der Auditorenausbildung sollen im Anschluss daran dafür gewonnen werden, die weiterführende Ausbildung zum Umweltmanagementtrainer zu absolvieren. Diese Ausbildung soll im Januar 2014 starten und wird überregional auf Landesebene angeboten. Zur qualitätvollen Ausgestaltung und Begleitung des Gesamtprojekts sowie für den fachaufsichtlichen Teil der Projektleitung gegenüber dem Projektkoordinator wurde eine Steuerungsgruppe eingerichtet.